Scope-3-Emissionen
Die Bedeutung für den Einkauf
Nachhaltigkeit
03.11.2026
Wer sich zum ersten Mal mit einer CO2-Bilanz beschäftigt, stößt schnell auf drei Begriffe: Scope 1, Scope 2 und Scope 3. Während Scope 1 und Scope 2 relativ leicht zu verstehen sind, wird es bei Scope 3 deutlich komplexer. Denn hier entsteht oft der größte Teil an den Gesamtemissionen eines Unternehmens. Scope 3 umfasst alle Emissionen außerhalb des eigenen Unternehmens, die dennoch zur CO2-Bilanz zählen. Daher spielt der Einkauf hier eine entscheidende Rolle.
Dieser Beitrag erklärt die drei Scopes, zeigt, welche Daten der Einkauf benötigt und beschreibt, wie sich Verbrauchsmaterial auf die CO2-Bilanz auswirkt.
Was sind Scope 1, Scope 2 und Scope 3?
Die Einteilung stammt aus dem Greenhouse Gas Protocol (GHG-Protocol), dem weltweit anerkannten Standard zur Bilanzierung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen.
Scope 1 umfasst alle direkten Emissionen aus eigenen Quellen. Dazu zählen der Fuhrpark, die Gasheizung und der Betrieb eigener Maschinen. Scope 2 umfasst die indirekten Emissionen aus eingekaufter Energie, also Strom, Fernwärme und Fernkälte. Beide Bereiche lassen sich vergleichsweise leicht erfassen, weil die Daten in z.B. Tankbelegen und Energieabrechnungen stehen.
Scope 3 umfasst alle übrigen indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette. Das Greenhouse Gas Protocol unterteilt diesen Bereich in fünfzehn Kategorien. Nicht jede Kategorie ist für jedes Unternehmen relevant. Eine vorgeschaltete Wesentlich-keitsanalyse filtert vorab die entscheidenden Kategorien heraus. Sie reichen von eingekauften Waren und Dienstleistungen über Geschäftsreisen und Pendelverkehr bis zur Nutzung und Entsorgung der eigenen Produkte.
Warum Scope 3 der größte Block ist
In vielen Branchen macht Scope 3 den weitaus größten Teil der Gesamtemissionen aus. Der Grund liegt auf der Hand. Ein Unternehmen produziert selten alles selbst. Es kauft Material, Energieträger, Verpackungen und Dienstleistungen ein, und jedes dieser Produkte bringt Emissionen aus Rohstoffgewinnung, Herstellung und Transport mit.
Ein elektrischer Fuhrpark und Ökostrom allein genügen nicht. Für eine bessere CO2-Bilanz müssen auch die eingekauften Waren und Dienstleistungen betrachtet werden. Die erste der fünfzehn Kategorien trägt den Namen "Purchased goods and services" und ist in den meisten CO2-Bilanzen die größte Einzelposition.
Wer muss überhaupt berichten?
Hier hat sich 2026 einiges verändert. Die EU hat mit Änderung der CSRD durch die Omnibus-I-Richtlinie den Kreis der berichtspflichtigen Unternehmen deutlich verkleinert. Berichtspflichtig sind künftig nur Unternehmen, die beide Schwellen zugleich überschreiten: Mehr als 1.000 Mitarbeitende im Jahresdurchschnitt und mehr als 450 Millionen Euro Nettoumsatz. Die Pflicht beginnt für neu erfasste Unternehmen mit dem Geschäftsjahr 2027. Die Mitgliedstaaten müssen die Richtlinie bis zum 19. März 2027 in nationales Recht überführen.
Viele mittelständische Unternehmen atmen an dieser Stelle verfrüht auf. Denn die Berichtspflicht verschwindet nicht, sie verlagert sich. Ein berichtspflichtiges Unternehmen benötigt Daten zu seinen eingekauften Waren und diese holt er bei seinen Lieferanten. Wenn Ihre Kunden berichten müssen erhalten Sie als Lieferant entsprechende Fragebögen. Auch Banken, Versicherungen und öffentliche Auftraggeber fragen diese Informationen zunehmend ab.
Wie kommt der Einkauf an die Daten?
Die wichtigsten Informationen kommen direkt von den Lieferanten. Dazu gehören insbesondere Product Carbon Footprints, CO2-Werte pro Produkteinheit, Umweltproduktdeklarationen, sowie relevante Zertifikate und Nachhaltigkeitsberichte.
Deshalb sollte der Einkauf seine Lieferanten frühzeitig nach diesen Daten fragen und die erhaltenen Informationen dokumentieren. So lassen sich Scope-3-Emissionen deutlich genauer ermitteln als mit allgemeinen Durchschnittswerten.
Wo Verbrauchsmaterial die Bilanz bewegt
Reinigungs- und Hygieneartikel wirken im Vergleich zu Maschinen oder Rohstoffen unbedeutend. Sie werden aber täglich verbraucht und genau das macht sie zu einem Hebel, der schnell wirkt. Die vier folgenden Ansätze zeigen das.
Bei Handtuchpapier entscheidet die Produktqualität über die Menge. Bei zweilagigem Papier benötigt man pro Trocknungsvorgang i.d.R. weniger Blätter als bei einlagigem. Weniger Verbrauch bedeutet weniger Produktion, weniger Transport und weniger Restmüll.
Bei Reinigungschemie senken Konzentrate und vordosierte Systeme die transportierte Wassermenge. Mit Konzentraten wird weniger Wasser transportiert. Das spart Verpackung und Transportaufwand.
Bei Abfallbeuteln ersetzt Rezyklat den Primärkunststoff. Recycelter Kunststoff verursacht in der Herstellung deutlich weniger Emissionen als neu erzeugtes Material.
Bei Reinigungstextilien zählt die Lebensdauer. Ein langlebiges Mikrofasertuch, ersetzt eine ganze Reihe von Einwegprodukten.
Dazu kommen Kreislaufsysteme. Manche Papierhersteller nehmen gebrauchtes Handtuchpapier zurück und verarbeiten es zu neuem Hygienepapier. Solche Systeme liefern Ihnen messbare Zahlen für Abfall und CO2 gleich mit.
Womit fangen Sie an?
Beginnen Sie mit einer Übersicht Ihrer größten Warengruppen nach Einkaufsvolumen. Dort liegt in der Regel auch der größte Emissionsanteil. Fragen Sie anschließend bei den Lieferanten dieser Warengruppen die verfügbaren Daten ab. Halten Sie den Ausgangswert fest, bevor Sie etwas umstellen. Ohne diesen Wert können Sie später keine Einsparung belegen.
Fazit
Scope 3 ist nicht nur ein Thema für die Nachhaltigkeitsabteilung. Es ist auch eine Einkaufsaufgabe. Wer weiß, welche Daten seine Lieferanten bereitstellen können, verschafft sich einen Vorsprung, sobald der nächste Fragebogen kommt.
Wir unterstützen Sie dabei. Sprechen Sie uns auf die Nachhaltigkeitsdaten, Zertifikate und Nachweise unserer Hersteller an. Gemeinsam schauen wir, wo in Ihrem Verbrauchsmaterial das größte Einsparpotenzial liegt.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Scope 2 und Scope 3? Scope 2 umfasst ausschließlich die Emissionen aus eingekaufter Energie, also Strom, Fernwärme und Kälte. Scope 3 umfasst alle übrigen indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette, etwa aus eingekauften Waren, Transporten, Geschäftsreisen und der Entsorgung.
Wie viele Scope-3-Kategorien gibt es? Das GHG-Protocol unterscheidet fünfzehn Kategorien. Nicht jede ist für jedes Unternehmen relevant. Für Handel, Dienstleistung und Verwaltung stehen die eingekauften Waren und Dienstleistungen meist an erster Stelle.
Zählt der Einkauf von Reinigungsmitteln wirklich in die CO2-Bilanz? Ja. Verbrauchsmaterial fällt unter die erste Scope-3-Kategorie. Herstellung, Verpackung und Transport der Produkte gehören zur CO2-Bilanz des einkaufenden Unternehmens.
Welche Unterlagen sollte ich von meinen Lieferanten anfordern? Sinnvoll sind CO2-Werte je Produkteinheit, Lebenszyklusanalysen, Umweltproduktdeklarationen, Zertifikate wie EU Ecolabel, Blauer Engel, FSC oder Cradle to Cradle sowie der Nachhaltigkeitsbericht des Herstellers.
Jetzt Kontakt mit uns aufnehmen.
Öffnungszeiten
Montag - Donnerstag: 07:00 bis 16:30 Uhr
Freitag: 07:00 bis 15:00 Uhr
Telefon: +49 2739 8944-0