Dosierung von Reinigungsmitteln

Der unterschätzte Kostenfaktor in der Unterhaltsreinigung

Facility

17.10.2026

In der Unterhaltsreinigung sprechen Objektleitungen über Stundensätze, Maschinen und Personalplanung. Die Dosierung des Reinigungsmittels steht dabei selten auf der Tagesordnung. Genau sie entscheidet aber jeden Tag mit, wie viel Chemie ein Objekt verbraucht, wie sicher die Reinigungskräfte arbeiten und wie hoch die Kosten am Jahresende ausfallen. Dieser Beitrag zeigt, warum Überdosierung so häufig vorkommt und welche Systeme das Problem lösen.

Was passiert bei einer Überdosierung?

Ein Konzentrat entfaltet seine Wirkung bei einer festgelegten Konzentration. Mehr Produkt reinigt nicht besser. Wird die Dosierung erhöht, muss in der Regel mit drei Folgen gerechnet werden.

Erstens verbraucht das Objekt mehr Reinigungsmittel als tatsächlich erforderlich. Zweitens hinterlässt eine Überdosierung einen Film auf der Oberfläche. Dieser bindet Schmutz und lässt Böden matt oder streifig erscheinen. Das Reinigungsteam muss nacharbeiten, häufig unter erneutem Einsatz zusätzlicher Reinigungsmittel. Dadurch entsteht ein Kreislauf, der sich immer weiter fortsetzt. Bei Hartböden kommt zudem eine erhöhte Rutschgefahr hinzu. Drittens können zu hohe Konzentrationen empfindliche Beläge und Beschichtungen angreifen. Dadurch verkürzt sich die Lebensdauer genau jener Oberflächen, die durch die Reinigung eigentlich geschützt und erhalten werden sollen.

Warum wird Reinigungsmittel oft überdosiert?

Reinigungskräfte arbeiten häufig unter Zeitdruck und dosieren deshalb nach Augenmaß, insbesondere wenn Eimer oder Behälter keine Skala besitzen. Hinzu kommt, dass Gebindegrößen und Verschlüsse von Objekt zu Objekt variieren. Dosieranleitungen sind oft nur klein auf dem Etikett abgedruckt und häufig ausschließlich auf Deutsch verfasst, obwohl in vielen Teams mehrere Sprachen gesprochen werden. Darüber hinaus hält sich die Annahme, dass eine höhere Dosierung automatisch zu einer besseren Reinigungsleistung führt. Verstärkt wird dieser Eindruck dadurch, dass ein intensiver Duft von vielen Menschen mit besonderer Sauberkeit verbunden wird. Eine höhere Dosierung fühlt sich daher subjektiv oft richtig an, auch wenn sie fachlich nicht notwendig ist.

Ein Rechenbeispiel

Die folgende Rechnung ist ein Beispiel und ersetzt keine Analyse Ihrer eigenen Verbrauchsdaten. Sie zeigt aber die Größenordnung.

Ein Unterhaltsreiniger wird mit einer Dosierung von einem Prozent eingesetzt. Bei einem Acht-Liter-Eimer entspricht das 80 Millilitern Konzentrat. Wird stattdessen direkt aus dem Kanister dosiert, landen schnell 200 Milliliter im Eimer. Die Überdosierung beträgt damit 120 Milliliter pro Füllung.

Bei zehn Eimern pro Arbeitstag summiert sich dieser Mehrverbrauch auf 1,2 Liter täglich. Hochgerechnet auf 220 Arbeitstage sind das rund 264 Liter Konzentrat pro Person und Jahr. Bei einem Preis von sechs Euro pro Liter entstehen dadurch zusätzliche Kosten von etwa 1.584 Euro.

In einem Team mit fünf Reinigungskräften erhöht sich dieser Betrag auf nahezu 8.000 Euro pro Jahr. Die Kosten für Nacharbeiten, zusätzliche Reinigungsdurchgänge sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Wie sieht eine sichere Dosierung aus?

Sie besteht darin, die richtige Menge zur einfachsten Menge zu machen. Dafür gibt es je nach Objekt unterschiedliche Wege.

Vordosierte Portionssticks und Beutel enthalten exakt die Menge für einen Eimer oder eine Flasche. Das Personal muss nicht abmessen und kommt mit dem Konzentrat nicht in Kontakt. Pumpdosierer sitzen direkt auf dem Kanister und geben pro Hub eine feste Menge ab. Stationäre Dosierstationen mit Wasseranschluss mischen die Lösung vor und füllen Eimer oder Flaschen gebrauchsfertig ab. Mobile Sprühköpfe lassen sich auf verschiedene Reiniger aufsetzen und arbeiten mit einem definierten Mischungsverhältnis.

Ein Detail entscheidet über den Erfolg im Alltag: Die Farbcodierung. Wenn Produkt, Station, Tuch und Einsatzbereich dieselbe Farbe tragen, erschließt sich das System nahezu von selbst. Gleichzeitig senkt sich das Risiko einer Kreuzkontamination zwischen Sanitärbereich und Küche.

Arbeitssicherheit gehört zur Rechnung

Die Gefahrstoffverordnung verpflichtet Arbeitgeber zur Gefährdungsbeurteilung, zu einer Betriebsanweisung und zur regelmäßigen Unterweisung. Der kritischste Moment im Reinigungsalltag ist das Umfüllen aus dem Großgebinde. Dabei spritzt Konzentrat, Personen atmen Aerosole ein und Haut oder Augen kommen in direkten Kontakt.

Geschlossene Dosiersysteme entschärfen genau diesen Moment. Einige Hersteller bieten außerdem Produkte an, die ganz ohne Gefahrstoffkennzeichnung auskommen. Das verkürzt das Gefahrstoffverzeichnis, vereinfacht die Unterweisung und senkt den Dokumentationsaufwand spürbar.

Der Effekt auf Ihre ESG-Kennzahlen

Wer weniger Konzentrat verbraucht, lässt weniger transportieren und entsorgt weniger Verpackung. Diese Einsparungen wirken direkt auf die Scope-3-Emissionen, also auf die indirekten Emissionen entlang der Lieferkette. Der Einkauf benötigt für die Berichterstattung belastbare Zahlen, die Verbrauchsdaten aus der Reinigung liefern genau das. Voraussetzung ist, dass Sie den Verbrauch vor der Umstellung erfassen. 

Wann lohnt sich der Umstieg?

Es gibt einige Anzeichen, die für eine Prüfung sprechen. Der Verbrauch schwankt stark zwischen Objekten mit ähnlicher Fläche. Die Kundschaft meldet Schlieren oder stumpfe Böden. Häufig wechselnde Teams und nicht verschriftlichte Dosierungen und das Gefahrstoffverzeichnis wächst schneller als das Sortiment.

Eine erfolgreiche Umstellung erfolgt in drei Schritten: Zunächst wird das Dosiersystem ausgewählt, das am besten zu den Anforderungen des jeweiligen Objekts passt. Anschließend erhält das Team eine kurze, praxisnahe Schulung direkt vor Ort, damit die neuen Abläufe sicher angewendet werden können. Der dritte Schritt ist die Auswertung der Verbrauchszahlen nach etwa zwei Monaten. Erst der dritte Schritt zeigt, ob die Umstellung tatsächlich den gewünschten Effekt erzielt und dauerhaft im Arbeitsalltag verankert wurde.

Fazit

Dosierung wirkt auf den ersten Blick wie ein Detail, in der Praxis ist sie jedoch ein wesentlicher Kostenfaktor. Wer die Dosierung konsequent im Griff hat, reduziert den Chemieverbrauch, schützt Oberflächen und Mitarbeitende und schafft gleichzeitig belastbare Kennzahlen für Nachhaltigkeits- und ESG-Berichte.

Sprechen Sie mit uns über die Dosiersysteme, die zu Ihren Objekten und Arbeitsabläufen passen. Gemeinsam analysieren wir Ihre Verbrauchsdaten und ermitteln transparent, welches Einsparpotenzial in Ihrem Betrieb steckt.

Häufige Fragen

Wie viel Reinigungsmittel in einen Acht-Liter-Eimer? 
Das hängt vom Produkt ab. Bei einer Dosierung eines Prozents sind es 80 Milliliter, bei 0,5 Prozent 40 Milliliter. Die genaue Angabe steht auf dem Etikett und im Sicherheitsdatenblatt. Verlassen Sie sich nicht auf Erfahrungswerte anderer Produkte.

Reinigt eine höhere Dosierung bei starker Verschmutzung besser? 
Nein, viele Produkte sehen für hartnäckige Verschmutzung eine eigene, höhere Dosierung vor. Diese steht ebenfalls auf dem Etikett. Alles darüber hinaus bringt keine zusätzliche Wirkung und erhöht ausschließlich den Verbrauch.

Was kostet ein Dosiersystem? 
Die Anschaffung liegt je nach Lösung zwischen wenigen Euro für einen Pumpdosierer und einem vierstelligen Betrag für eine feste Station mit Wasseranschluss. Entscheidend ist der Vergleich mit dem eingesparten Konzentrat. In Objekten mit hohem Verbrauch amortisiert sich ein System oft innerhalb eines Jahres.

Wie überzeuge ich mein Team von der Umstellung? 
Am besten mit einer kurzen Vorführung im eigenen Objekt. Wenn Reinigungskräfte erleben, dass ihnen das System Arbeitsschritte abnimmt und den direkten Kontakt mit Konzentraten reduziert, steigt die Akzeptanz deutlich.

Welche Nachweise brauche ich für den ESG-Bericht? 
Sinnvoll sind Verbrauchsdaten vor und nach der Umstellung, die Sicherheitsdatenblätter der eingesetzten Produkte sowie Zertifikate wie das EU Ecolabel oder Cradle to Cradle. Einige Hersteller stellen zusätzlich CO2-Rechner bereit, mit denen Sie die Einsparung dokumentieren können.

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