Vier-Farben-Lehre und 16-Seiten-Faltmethode
So stoppen Sie Keimverschleppung beim Wischen
Facility
19.09.2026
Krankheitserreger wandern nicht nur über Hände und Flächen. Sie reisen genauso zuverlässig auf Wischbezügen, Tüchern und in Putzeimern von einem Raum in den nächsten. Zwei einfache Techniken verhindern das im Alltag: Die Vier-Farben-Lehre und die 16-Seiten-Faltmethode.
Warum das Wischtuch selbst zum Risiko wird
Ein Tuch nimmt Schmutz und Keime auf. Problematisch wird es, wenn dieselbe Tuchseite über mehrere Flächen geht oder wenn das benutzte Tuch zurück in die Desinfektionslösung wandert. Dann verschmutzt die Lösung, die Desinfektionswirkung bricht ein und aus dem Reinigungsmittel wird ein Verteilsystem.
Deshalb gilt in der professionellen Reinigung eine Grundregel: Benutzte Tücher und Wischbezüge kommen nicht wieder in die Lösung zurück. Sie gehen direkt in die Schmutzwäsche. Damit trotzdem ausreichend Fläche mit einem Tuch gereinigt werden kann, braucht es Systematik und die liefern Farbcodierung und Falttechnik.
Die Vier-Farben-Lehre: Eine Farbe pro Hygienebereich
Die Vier-Farben-Lehre, oft auch Vier-Farben-System oder Colour-Coding genannt, teilt alle zu reinigenden Flächen in vier Hygienebereiche ein. Jeder Bereich hat eine eigene Farbe und nur Tücher, Schwämme und Eimer dieser Farbe kommen dort zum Einsatz.
Rot steht für den kritischsten Bereich wie WC-Becken, Urinale und die direkt umliegenden Spritzbereiche. Gelb übernimmt den restlichen Sanitärbereich mit Waschbecken, Armaturen, Spiegeln und Ablagen. Blau ist für die Einrichtung und das Mobiliar vorgesehen, also für Türen, Tische, Stühle, Regale und Heizkörper. Grün bleibt der Küche und dem Lebensmittelbereich vorbehalten, in Einrichtungen des Gesundheitswesens außerdem den sensiblen Bereichen wie dem OP oder dem Patientenzimmer.
Das Prinzip dahinter ist schnell erklärt. Ein Toilettenbereich trägt eine andere Keimlast als ein Schreibtisch. Das Farbsystem verhindert, dass Keime aus dem Sanitärbereich auf andere Flächen übertragen werden. Das Farbsystem zeigt sofort, welches Tuch zu welchem Bereich gehört.
Verbindlich wird das System erst durch Ihren Reinigungsplan
Wichtig zu wissen: Die Farbzuordnung ist keine gesetzliche Vorgabe, sondern eine in der Branche etablierte Konvention. Jeder Betrieb darf sie an die eigenen Gegebenheiten anpassen, etwa wenn im Haus bereits eine andere Farblogik eingeführt ist.
Deshalb sollte die Zuordnung im Reinigungs- und Desinfektionsplan festgehalten und am Arbeitsplatz gut sichtbar angebracht werden. Nur so wissen zum Beispiel auch neue Mitarbeitende oder ein externer Dienstleister, welche Farbe bei Ihnen wofür steht. Wichtig ist zudem auch eine getrennte Lagerung: Saubere Tücher werden nach Farben sortiert aufbewahrt und verschmutzte Tücher getrennt gesammelt.
Die 16-Seiten-Faltmethode: Aus einem Tuch werden 16 Arbeitsflächen
Wenn das Tuch nach dem ersten Wischen nicht zurück in die Lösung darf, stellt sich die Frage, wie lange es verwendet werden kann. Die Antwort darauf liefert die Falttechnik.
Tauchen Sie das Tuch in die Desinfektionslösung und wringen Sie es aus. Falten Sie es einmal von oben nach unten, dann ein zweites Mal von oben nach unten und klappen Sie es anschließend seitlich übereinander. Am Ende halten Sie ein handliches Päckchen in der Hand, das 16 saubere Arbeitsflächen bietet.
Beim Wischen arbeiten Sie sich Seite für Seite durch. Sie wischen mit der ersten Seite, wenden das Tuch und wischen mit der zweiten. Dann klappen Sie das Tuch auf, legen die verschmutzten Seiten aufeinander und haben wieder zwei frische Flächen. Das wiederholen Sie so lange, bis keine saubere Seite mehr vorhanden ist. Anschließend kommt das Tuch in die Schmutzwäsche und Sie verwenden ein neues. Der Vorteil liegt auf der Hand. Sie reinigen mit einem Tuch deutlich mehr Fläche, ohne die Desinfektionslösung zu verunreinigen.
Für Fußböden gelten eigene Techniken
Bei Böden funktioniert diese Falttechnik nicht, hier greifen zwei andere Verfahren. Bei der Zwei-Bezugs-Methode nutzen Sie pro Raum, bis maximal 25 Quadratmeter, einen frischen Bezug zum Auftragen der Desinfektionslösung und einen zweiten, um die überschüssige Flüssigkeit aufzunehmen. Danach werden beide Bezüge in die Schmutzwäsche gegeben.
Vorgetränkte Bezüge machen die Reinigung noch einfacher. Sie enthalten keine überschüssige Flüssigkeit, weshalb ein Bezug pro Raum genügt. Nach der Nutzung wird er direkt in die Wäsche gegeben. Beide Verfahren halten die Desinfektionslösung sauber und stoppen die Keimverschleppung von Raum zu Raum.
Nach dem Wischen ist vor dem Wischen
Warme und feuchte Textilien sind der ideale Nährboden für Bakterien und Pilze. Benutzte Tücher und Bezüge benötigen deshalb nach jedem Gebrauch ein desinfizierendes Waschverfahren und eine anschließende maschinelle Trocknung. Danach lagern sie trocken, staubfrei und sauber. Auch Eimer, Behälter und Wischgeräte müssen nach dem Gebrauch gereinigt und desinfiziert werden.
Halten Sie außerdem genug Nachschub bereit, damit für jeden Raum frische Textilien zur Verfügung stehen. Wenn Sie keine Möglichkeit zur Aufbereitung haben, sind Einmaltücher und Einmalbezüge eine sichere Alternative.
Sie möchten das System einführen?
In unserem Sortiment finden Sie farbcodierte Tücher, Eimer und Wischsysteme, passend zu Ihrem Reinigungsplan. In unseren Hygieneschulungen im FORUM KLEIN üben wir die Falttechnik und die Wischverfahren direkt mit Ihrem Team. Sprechen Sie uns an, wir schauen gemeinsam auf Ihre Bereiche.
Häufige Fragen zur Vier-Farben-Lehre
Welche Farbe steht wofür beim Vier-Farben-System?
Üblich ist rot für WC und Urinale, gelb für den restlichen Sanitärbereich mit Waschbecken und Spiegeln, blau für Einrichtung und Mobiliar sowie grün für Küche und Lebensmittelbereich. In Gesundheitseinrichtungen deckt grün zusätzlich sensible Bereiche wie den OP oder das Patientenzimmer ab.
Ist die Farbcodierung gesetzlich vorgeschrieben?
Nein, das Vier-Farben-System ist eine Branchenkonvention und keine Norm. Jeder Betrieb legt die Zuordnung selbst fest. Verbindlich wird sie, sobald Sie sie im Reinigungs- und Desinfektionsplan dokumentieren und Ihr Team darauf unterweisen.
Wie funktioniert die 16-Seiten-Faltmethode?
Sie falten das ausgewrungene Tuch zweimal von oben nach unten und klappen es anschließend seitlich übereinander. So entstehen 16 nutzbare Arbeitsflächen, die Sie nacheinander nutzen.
Darf ich ein benutztes Tuch wieder in die Desinfektionslösung tauchen?
Nein, das verunreinigt die Lösung und kann die Desinfektionswirkung aufheben. Benutzte Tücher und Bezüge werden sofort der Schmutzwäsche zugeführt.
Wie viel Fläche darf ich mit einem Wischbezug reinigen?
Bei der Zwei-Bezugs-Methode gilt ein Richtwert von maximal 25 Quadratmetern pro Raum. Danach wechseln Sie den Bezug, auch wenn er noch sauber aussieht.
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